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Termine

BEAUTY DÜSSELDORF 2020

Internationale Fachmesse für Kosmetik, Beauty & Wellness

Vom 18. bis 20. September 2020
Ort: Messe Düsseldorf

Information & Anmeldung: www.beauty.de



European HEALTH & SPA AWARD 2020
Die Oscars der Wellness- & Spa-Branche
Auszeichnung für die Besten! 

Am 22. Oktober 2020
Ort: Grand Hotel Wien

Eine unabhängige Jury hat nach einem zweistufigen Verfahren die besten europäischen Spas, Thermen, Day Spas, Kuranstalten, Medical Spas, Treatments und innovativsten Produkte ausgewählt.
Informationen zu den Nominierten und Gewinnern von 2019 unter www.health-spa-award.com


Interbad 2020
Internationale Fachmesse für Schwimmbad, Sauna und Spa mit Kongress für das Badewesen

Vom 27. - 30.10.2020
Ort: Messe Stuttgart

Weitere Informationen auf der Webseite

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TUINA – Wohlbefinden und Therapie

Tuina, die chinesische Massage, ist – basierend auf den Grundlagen der chinesischen Medizin, der Lehre von Yin und Yang, der Lehre der fünf Elemente sowie der Lehre der Meridiane – zum Erhalt des Wohlbefindens ebenso geeignet wie zur Therapie.

©George Lunsford_flickr

Verschiedene Massagetechniken wie Schieben, Friktionieren, Drücken, Öffnen/Schieben und Qi Gong als ergänzende Körperübung verschaffen Linderung bei Schmerzen, lösen Stauungen und gleichen Yin und Yang aus. © George Lunsford_flickr

©George Lunsford_flickr

© George Lunsford_flickr

©Purple Phoenix_Flickr_China_Tuina

Die Tuina-Massage nutzt verschiedene Grifftechniken. © Purple Phoenix_Flickr_China_Tuina

©Zauner-Dungl Gesundheitsakademie

Die Autorin: Prof. Dr. Andrea Dungl-Zauner © Zauner-Dungl Gesundheitsakademie

Seit den frühen Sechzigern suchen die Menschen zunehmend nach alternativen Wegen für mehr Wohlbefinden. Für sie ist die Apparatemedizin des Westens nicht ausreichend. Das Gefühl, nicht selbst Verantwortung übernehmen zu können, die fehlende Beachtung der Einheit von Körper und Geist, die Offenheit für Neues führt viele zu den medizinischen Systemen des asiatischen Kulturkreises.

Dabei zeigten bereits 1959 Halbert Dunn mit seiner Publikation in (J Public Health Nations Health) 1) “High-level Wellness for man and society” und Aaron Antonovsky (Health, stress, and coping. New perspectives on mental and physical well-being, 1979), dass Gesundheit und Krankheit keine monokausalen Geschehen sind. Ihre Erkenntnisse finden jedoch nur langsam Eingang in die klassische Medizin des Westens.

Als Nixon 1972 die Volksrepublik China besuchte, wurde die chinesische Praxis medizinischen Nadelns durch die Medien verbreitet. Heute sind Akupunktur, chinesische Ernährungslehre nach den fünf Elementen und chinesische Heilkräuterlehre sehr bekannt. Die Tuina, deren Wurzeln ebenso auf 1600-–1100 v. Chr. zurückgehen, ist in unserem Bewusstsein ebenso wenig verankert wie Qi Gong.
Das Basiswissen der Tuina beruht auf den Grundlagen der chinesischen Medizin, der Lehre von Yin und Yang, der Lehre der fünf Elemente, den verschiedenen pathogenen Faktoren und Syndromen, sowie der Lehre der Meridiansysteme. Präventiv und therapeutisch bedient sich die Tuina verschiedenster Massagetechniken wie zum Beispiel Tui (schieben), Rou (friktionieren), An (drücken), Kai (öffnen-schieben) und Qi Gong als ergänzende Körperübungen. Kräuteröle und Einreibungen sind nach strenger Indikationsstellung in das Behandlungskonzept eingebunden. Bei Bedarf werden auch Ernährungsempfehlungen in das Behandlungskonzept integriert. Die oberste Priorität bei der Erstellung eines Behandlungsplanes ist in der Tuina immer die Verknüpfung von Körper – Seele – Bewegung – Atmung und Berührung.

Die Wirkweise und Ziele der Tuina sind es,

  •   Yin und Yang auszugleichen
  •   Zang Fu zu regulieren
  •   die Meridiane, muskulotendinäre Gefäße und deren Kollaterale durchgängig zu machen
  •   Qi und Blut zu bewegen
  •   Stase/Stauungen zu lösen
  •   den Qi-Fluss zu fördern und das Blut zu aktivieren
  •   Muskeln, Sehnen und Faszien zu entspannen
  •   Schmerzen zu lindern

Fülle an therapeutischen Maßnahmen.
Bei der Tuina wird sowohl punktuell an den Meridianpunkten als auch großflächig entlang der Meridiane und den muskulotendinären Gefäßen sowie schmerzhaften Arealen gearbeitet. Die Behandlung einzelner Akupunkturpunkte wird bei uns langläufig als Akupressur bezeichnet. Das überwiegende Ziehen entlang der Meridiane mit einem Stäbchen als Akupunktmassage. Beide Begriffe spiegeln jedoch nur einen sehr kleinen Teil der Tuina wider. Neben einem großen Repertoire an verschiedenen Grifftechniken, welche bei einer Schwäche tonisierend (stärkend) eingesetzt werden und bei Füllesyndromen sedierend (ableitend), gibt es noch eine Fülle anderer therapeutischer Maßnahmen zum Verbessern des Wohlbefindens und der Gesundheit:

  •   Schröpfen oder Schröpfmassage mittels Schröpfköpfen aus Glas oder Kunststoff
  •   Gua Sha – „Scrabben“ oder schaben an der Haut bei Muskelschmerzen, zur Minderung von Verspannungen der Muskulatur, Anregung der Durchblutung
  •   Laserakupunktur mittels Low-Level-Laser an den Akupunkturpunkten wirkt auf das Immunsystem anregend, auf das Gewebe entzündungshemmend sowie muskelentspannend
  •   zur Narbenentstörung
  •   Faszienmassage – entsprechend den muskulotendinären Gefäße
  •   Moxa – Moxibustion mittels Moxakrautzigarren oder verkohltem Moxakraut

Moxa wirkt erwärmend, verdauungsfördernd, hilft bei Müdigkeit und beruhigt sanft die Nerven, regt die Produktion der roten und weißen Blutkörperchen an, verbessert die Durchblutung des Gewebes, stärkt das Wei-Qi (Abwehrenergie). Mir ist Moxa in der Therapie besonders wegen seiner Energie aufbauenden Wirkung wichtig.
Als Dosierungsparameter dienen in der Tuina neben den verschiedenen Grifftechniken und der Durchführungsstärke die Massagedauer und deren Häufigkeit. So wird bei akuten Erkrankungen ein- bis zweimal täglich behandelt, bei chronischen Erkrankungen oder Leere-Zuständen jeden zweiten Tag. Je nach Art der Erkrankung oder Störung der Balance des Energiegleichgewichtes reichen ein bis drei Behandlungen für einen guten Behandlungserfolg oder 10–20 Behandlungen über mehrere Monate.


Die Tuina kann alleine oder unterstützend bei den verschiedensten Erkrankungen oder Syndromen der chinesischen Medizin eingesetzt werden. Sehr bewährt sind folgende Indikationsgebiete:

  •    vegetative Störungen und Erschöpfungszustände
  •    Schmerzzustände des Bewegungsapparats (Wirbelsäule, Gelenke, Muskulatur, Faszien) sowie die verschiedenen Kopfschmerzen
  •    Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen
  •    Stärkung der Körperabwehr
  •    Funktionelle Störungen des Verdauungsapparates wie z.B. Blähungen, Völlegefühl, Gastritis, Obstipation, Durchfall, …
  •    Menstruationsstörungen und Wechselbeschwerden


Zu beachten ist dabei, dass sich die Tuina besonders in Kombination mit der westlichen Medizin bewährt hat. Bei Beeinträchtigungen, die über eine Dysfunktion hinausgehen, ist jedenfalls zum Ausschluss allfälliger Kontraindikationen eine medizinische Abklärung zu empfehlen.
Die Kontraindikationen der Tuina sind akute Infektionen, Tumore, akute Verletzungen, chronische Ulzerationen der Haut, Lymphangitis sowie floride TBC-Infektionen.

Die Einsatzmöglichkeiten der Tuina an zwei ausgewählten Beispielen:

a)    Schulterarmschmerzen
Ein Patient hat seit zwei Monaten bestehende Schmerzen in den Arm ausstrahlend, nachts verstärken sich die Schmerzen. Seit einer Woche ist auch eine deutliche Bewegungseinschränkung aufgetreten. Wärme tut dem Patienten gut.
Je nach Ausmaß der Bewegungseinschränkung kann in diesem Fall die Tuina durch Gua Sha ergänzt werden. Sofern keine Entzündungszeichen vorhanden sind, kann Moxa zusätzliche Linderung bringen. Der Therapieerfolg kann durch tägliche Übungen des Qi Gongs gut gesichert werden.

b)    Chronische Müdigkeit
Eine Dame gönnt sich ein Wellnesswochenende, da sie unter chronischer Müdigkeit leidet. Sie hat lediglich drei Tage Zeit. Im Gespräch zeigt sich, dass die Müdigkeit von ersten Zeichen eines Burn -outs begleitet werden.
Eine Energieausgleichsmassage, insbesondere entlang der Rückenmeridiane sowie dem Leber/Gallenblase-Umlauf, hat sich bei dieser Indikation sehr bewährt. Bei Leere und leichtem Frösteln kann die Tuina durch Moxa optimal ergänzt werden. Ernährungstipps zur Stärkung des Milz-Qi sind jedoch für eine längerfristige Verbesserung ebenso zielführend wie einfache Atem-Qi-Gong-Übungen.

Was unterscheidet die klassische Massage von der Tuina?
In der klassischen Massage arbeiten man primär an Muskeln, Bändern, Gelenken und Faszien. Die Durchblutung wird gefördert, Spannungen und Verklebungen entlang der genannten Strukturen gelöst, Schmerzen gelindert. Die Funktionen werden so weit wie möglich wiederhergestellt.
Die Tuina ist eine manualtherapeutische Massageform, basierend auf der Meridianlehre der Traditionellen Chinesischen Medizin. Ihr Ziel ist es, Gesundheit zu bewahren und die Abwehrkräfte des Körpers zu stärken, indem das Gleichgewicht von Yin und Yang, der gleichmäßige Fluss der Energie sowie von Blut und Säften in den Meridianen gefördert wird. Moderne wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Meridiane und muskulotendinären Gefäße über weite Strecken mit den Faszienzügen nahezu ident sind.

Schulen/Ausbildungsmöglichkeiten
In China gibt es verschiedenste Richtungen der Tuina. Nördliche Provinzen sind stärker von den manipulativen Techniken geprägt, südliche eher durch die Integration von Kräuterölen und Einreibungen. In China gibt es heute eigene Studiengänge mit Bachelor- und Masterabschluss in Tuina.
In Österreich gibt es an der Donauuniversität Krems einen Masterlehrgang für Chinese Healthcare. Entsprechend der chinesischen Grundphilosophie, dass Ernährung, Massage und Bewegung die ersten Säulen der Gesunderhaltung sind, werden in diesem Lehrgang alle drei Elemente der chinesischen Medizin gelehrt. Dieser Lehrgang ermöglicht die Integration des Erlernten in den beruflichen Alltag eines Gesundheitsberufes. Seit einigen Jahren gibt es in Österreich einen Gewerbeschein für Tuina-An-Mo-Praktiker. Die Ausbildung hierfür wird von verschiedenen Schulen angeboten. Die Absolvierung des Masterlehrganges für Chinese Healthcare ermöglicht ebenfalls die Beantragung dieser Gewerbeberechtigung.

Forschungsstand
Die Zahl der Studien zur Tuina ist zunehmend. Themen wie chronische Schmerzen, die verschiedensten Probleme des Bewegungsapparates (Wirbelsäulenprobleme, Coxarthrose, Gonarthrose, …) werden dabei beispielsweise ebenso erforscht wie neurologische Fragestellungen (Spastik, Rückenmarksläsionen, …).
Leider sind die Studien häufig in der methodologischen Qualität schwach. Viele der Publikationen sind chinesisch und uns nicht zugängig. Eine systematische Auseinandersetzung mit den Forschungsmethoden sowie der Tuina ist für eine Änderung dieser Situation unabdingbar. Daher ist es wichtig, dass in Tuina-Lehrgängen ein Basiswissen zur Forschung vermittelt wird. In der Zeit der Ökonomisierung der Gesundheitssysteme ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Thematik ein wesentliches Element der langfristigen Sicherung dieses alten Wissens.



Autorin : Prof. Dr. Andrea Dungl-Zauner
Zentrumsleitung
Zentrum für Traditionelle Chinesische Medizin & Komplementärmedizin Donau-Universität Krems
Dr.-Karl-Dorrek-Straße 30
3500 Krems
T: +43 2732 893 2691
M: andrea.zauner-dungl@donau-uni.ac.at
www.donau-uni.ac.at

Quelle: 1) Halbert L. Dunn, Points of attack for raising the levels of wellness. (www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1372807/#reference-sec)

© WELLNESS WORLD Business 05/2017